Netz, Gewebematrix oder Expander?

Implantatrekonstruktion

Die Verwendung von Netzen und Gewebematrices (azellulärer Dermis) ist eine der wenigen interessanten Innovationen im Bereich der Brustrekonstruktion mit Implantaten (Expandern).

Die Frage „wann Implantat/Expander und wann Eigengewebe“ ist durch die aktuelle Datenlage weitestgehend geklärt: Bei Bestrahlungsindikation und bei schlechtem Haut-Fett-Mantel hat die Eigengewebsrekonstruktion bedeutende Vorteile.
Ohne Bestrahlungsindikation (z. B. flächiges DCIS mit Ausschlusskriterien für Brusterhaltung) haben Implantate/Expander insbesondere bei den Primärrekonstruktionen in Zusammenhang mit hautsparenden Techniken (SSM=Skin Sparing Mastectomy, NSM=Nipple Areola Sparing Mastectomy) ihre weltweit akzeptierte Indikation, ebenso im Rahmen der Sekundärrekonstruktion bei gutem Haut-Fett-Mantel.Eine zunehmende Bedeutung haben prophylaktische Mastektomien bei noch gesunden Genträgerinnen. Hier werden „Schule abhängig“ entweder die Implantat/Expanderrekonstruktion oder die Eigengewebsrekonstruktion angeboten.

Netze

Die Hauptindikation ist die Stabilisierung des Musculus pectoralis major bei primären subpectoralen Expander-/Implantatrekonstruktionen. Dieses wird im oberen Anteil zu zwei Dritteln durch den Muskel und im unteren Drittel durch das Netz abgedeckt, das diesen in seiner Lage stabilisiert; eine Kranialisierung desselben kann, wie in der Vergangenheit häufig beobachtet, damit sicher vermieden werden.Für den Ausgleich ungünstiger Weichteilverhältnisse sind Netze nicht geeignet. Inwieweit Netze die Infektionsgefahr und/oder die Kapselfibrose beeinflussen, müssen weitere Daten aus dem Implantatregistern beantworten (die AWOgyn hat die Datenerfassung in ihr überarbeitetes Register aufgenommen), bisher vorliegende Ergebnisse sind günstig.

Gewebematrix

Die Indikationen und vorliegende Ergebnisse sind in Diskussion und noch nicht konsentiert. Es handelt sich vom Ansatz her um regeneratives Gewebe, das durch Vaskularisation in den Körper eingebaut wird. Die Verwendung ist in Deutschland durch die hohen Kosten, den abgelehnten NUB-Antrag (Stufe 2) und meist von den Kassen abgelehnten Einzelfallentscheidungen noch limitiert, so dass der Einsatz weitestgehend auf Selbstzahler oder Problemfälle beschränkt ist. Aktuelle Schilderungen zeigen, dass durch die azelluläre Dermis eine sichere, stabile Abdeckung von Implantaten/Expandern bei dünnem Haut-Fett-Mantel und bei Problemfällen (z. B. drohende Perforation, Z. n. Radiatio) erreicht werden kann. Daten hierzu werden zukünftig ebenfalls durch das Implantatregister der AWOgyn erfasst.

Fazit

Sowohl Netze als auch Gewebematrices bereichern die Möglichkeiten der primären Brustrekonstruktion mit Implantaten/Expandern. Die Verwendung von Netzen hat sich weitestgehend bei klarem Indikationsspektrum durchgesetzt. Der Einsatz von Gewebematrices bedarf zukünftiger Datenevaluation und Erfahrungsaustausch von spezialisierten Brustoperateuren. Hierzu soll das neue Implantat- und Netzregister wertvolle Informationen liefern. Der Zugang zum Implantatregister ist durch den nachfolgenden Link direkt zu erreichen: www.awogyn-implantatregister.de